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Ärztliche Leitung:
Wissenschaft, AWB,
Therapie und Kurse

Zur Praxis Dr. Germann in Wiesbaden
Dr. med. Michael Germann,
Wiesbaden
u.a. Vice President der WFAS, World Federation of Acupuncture Moxibustion Societies, NGO der Welt-
gesundheitsorganisation
(WHO)

 

Organisationsleitung:
AWB und Kurse

Andreas Rinnößel / Andreas Rinnößel
Andreas Rinnößel,
Schramberg, u.a.
Bevollmächtigter für Deutschland des WFAS IAEC, International Acupuncture Exchange Centre, Peking und Member des WFAS Executive Committee

 

Stoßwelle - Stoßwellentherapie

Hier finden Sie eine Einführung und Informationen über die

vielseitige Wirkung und Nutzung von Stoßwellen
in der Medizin


Stoßwellen entstehen in der Natur bei jedem Gewitter.
Sie entwickeln ihre zertrümmernde Wirkung, wenn ein Überschallflugzeug die Schallmauer durchbricht. Diese Kraft hat den Stoßwellen dazu verholfen, zum ersten Mal in der Medizin nutzbringend eingesetzt zu werden:
zum Zertrümmern von Nierensteinen. Der Durchbruch, die erste humane Anwendung, fand Anfang 1980 statt. Die extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie, ESWL, war geboren.

Die Stoßwellen sind, wie der bereits wesentlich länger in der Medizin
genutzte Ultraschall, ein akustisches Phänomen. Ein wichtiger Unterschied besteht darin, dass es sich nicht wie beim Ultraschall um einen kontinuierlichen Wellenzug, sondern um zum Teil sehr intensive und kurze Pulse handelt (Siehe Abbildung 1). Im Gegensatz zum therapeutischen Ultraschall entfalten Stoßwellen keine thermische, sondern eine rein mechanische Wirkung.

Unterschied zwischen Ultraschall und Stoßwelle

Abb. 1 Unterschied zwischen Ultraschall und Stoßwelle



Seit der ersten Nierensteinzertrümmerung wurde eine Vielfalt
von biologischen Wirkungen der Stoßwellen entdeckt, wissenschaftlich untersucht und deren vielseitige Nutzbarkeit erschlossen. Trotzdem sind noch viele Zusammenhänge nicht vollumfänglich geklärt. Neben der Lithotripsie haben sich inzwischen zahlreiche neue medizinische Anwendungen entwickelt, einige davon, wie zum Beispiel die Pseudoarthrosen- oder Schmerzbehandlung, gehören inzwischen ebenfalls zum medizinischen Alltag. Sie werden allgemein als Extrakorporale Stoßwellen-Therapie, ESWT, bezeichnet.

In der Medizin werden Stoßwellen meistens
in einer extrakorporalen Quelle erzeugt und verlustarm mittels eines Koppelmediums (Wasser) in den Körper geleitete und in der Regel auf die zu behandelnde Region fokussiert. Wenn sie dabei Grenzflächen zwischen Stoffen mit stark unterschiedlichen akustischen Eigenschaften passieren, wie es bei einem Nierenstein und dem ihn umgebenen Gewebe bzw. Flüssigkeit der Fall ist, wird mechanisch Energie freigesetzt, die zu deren Zertrümmerung führt.

Ein weiterer Effekt, der zu der zertrümmernden Wirkung der Stoßwellen beiträgt, ist die Kavitation. Dabei wird das in der Flüssigkeit gelöste Gas zum Ausgasen gebracht. Es formen sich feine Bläschen, die innerhalb von Millisekunden expandieren und bei ihrem anschließendem Kollaps ebenfalls zertrümmernde Wirkung entfalten.

Zunächst hatte man nach weiteren Indikationen gesucht,
bei denen man annahm, dass die zertrümmernde Wirkung der Stoßwellen ebenfalls nutzbringend eingesetzt werden könnten: Zertrümmern von Schmerzen verursachenden Kalkdepots in Sehnenansätzen in der Schulter und an der Ferse, oder das Erzeugen von Mikroläsionen bei nicht heilenden Knochenbrüchen, die den Heilprozess in Gang setzen würden. In beiden Fällen war man erfolgreich, aber wie sich später bei genauerer Beobachtung gezeigt hat, nicht wegen der zertrümmernden, sondern hauptsächlich wegen der stimulierenden Wirkung. Dabei hatte man festgestellt, dass für diese stimulierende Wirkung wesentlich niedrigere Stoßwellenenergien ausreichend sind (siehe Abb. 2.). Bei diesen niedrigen Intensitäten gibt es praktisch keine nennenswerten Nebenwirkungen.

Das Spektrum der in der Medizin genutzten Stoßwellen

Abb. 2: Das Spektrum der in der Medizin genutzten
Stoßwellenintensität

Es konnte beobachtet werden, dass durch die Stoßwellen
die lokale Durchblutung, die Mikrozirkulation und der Zellmetabolismus angeregt werden. Dies wird einerseits durch die vergrößerte Permeabilität der Zellmembran und andererseits durch das Freisetzen von Stickstoffmonoxyd, einem wichtigen Botenstoff, der Vasodilatation verursacht, bewirkt. Er löst zusätzlich die Freisetzung von zahlreichen Wachstumsfaktoren aus und hat auch eine entzündungshemmende Wirkung. So ist zum Beispiel der Knochenwachstumsfaktor neben dem erhöhten Metabolismus und der verbesserten Durchblutung für die erfolgreiche Behandlung von Pseudoarthrose entscheidend.

Die Behandlung der kalzifizierten Sehnenansätze führt zu einer
ganz neuen und inzwischen etablierten Methode der Stoßwellen-Schmerzbehandlung. Dabei wurden weitere Effekte beobachtet, wie die Freisetzung der Substanz P, einem wichtigen Neurotransmitter, Reduktion der Schmerz auslösenden unmyelinisierten Nervenfasern, oder die Deaktivierung von Muskel-Triggerpunkte, die zum Verständnis der schmerzlindernden Wirkung der Stoßwellen beitragen.

Pseudoarthrosen und schlecht heilende Knochenbrüche werden häufig
von noch nicht verheilten Wunden begleitet. Interessanter Weise konnte man beobachten, dass diese Wunden, die sich im Feld der Stoßwellen befanden, besser und schneller heilten. Inzwischen hat man anhand zahlreicher Fälle aufzeigen können, dass nicht heilende, über Jahre offene Wunden durch die Behandlung mit Stoßwellen mit Erfolg therapiert werden können. Neben den bereits oben aufgeführten Effekten spielt hier die durch die Stoßwellen angeregte Blutgefäßneubildung eine wichtige Rolle. Sie wird im Wesentlichen durch die Freisetzung des Gefäßwachstumsfaktors, VEGF, bewirkt.

Die Gefäßneubildung spielt auch bei einer anderen Indikation
eine wesentliche Rolle: Behandlung von ischämischen Regionen des Herzmuskels. Die Stoßwellenbehandlung von Angina Pectoris im fortgeschrittenen Stadium ist inzwischen eine wissenschaftlich nachgewiesene Therapiemethode. Die Regeneration des durch den Herzinfarkt geschädigten Herzmuskels konnte im Tierversuch bereits nachgewiesen werden.

Während des Einsatzes von Stoßwellen zur Schmerzbehandlung
hat man zusätzlich beobachtet, dass auch die Haut positiv beeinflusst werden kann. Patientinnen haben festgestellt, dass sich die Haut straffer anfühlt und Cellulite - bedingte Hautunebenheiten (Orangehauteffekt) sich zurückbilden. Auch dieser Stoßwelleneffekt ist neben anderem auf die Bildung von Wachstumsfaktoren, speziell des Kollagenwachstumsfaktors, dessen Neubildung zur Hautstraffung und Stärkung des Bindegewebes beiträgt, zurückzuführen. Schließlich, um auch die neuesten Stoßwelleneffekte zu erwähnen, konnte inzwischen in zahlreichen Untersuchungen nachgewiesen werden, dass die Stoßwellen die Expression, Proliferation und Differenzierung von Stammzellen beeinflussen. Dieser Mechanismus spielt sehr wahrscheinlich bei vielen der oben beschriebenen Behandlungen auch eine nicht unwichtige Rolle. Seine gezielte und optimierte Wirkung verspricht für die Zukunft noch einige neue Entdeckungen.

Ende des Artikels, Quellenangabe:
Dr. Pavel Novak, Storz Medical AG, Schweiz.

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Stand dieser Webpage: Mittwoch, 4. Mai 2011 Irrtum und Änderungen vorbehalten

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